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Innovative Schulkooperation der Hofer Symphoniker: Musischer Zweig an der Staatlichen Realschule Naila

09.10.2009

Mit einer neuen, einzigartigen Schulkooperation startet das Kultur- und Bildungsunternehmen Hofer Symphoniker zusammen mit der Staatlichen Realschule Naila in das neue Schuljahr 2009/2010. Die Realschule Naila wird somit bayernweit die erste und einzige Realschule mit einem „musischen Zweig“ in dieser Form sein. Der Kooperationsvertrag, der zwischen dem Freistaat Bayern und der Hofer Symphoniker gGmbH geschlossen wurde, bildet die rechtliche Grundlage für diese neue innovative Kooperation.


Kooperationspartner des musischen Zweiges an der Realschule Naila ist das Kultur-
und Bildungsunternehmen Hofer Symphoniker, das in einem bundesweit
einmaligen Modell seit nunmehr 30 Jahren sein professionelles Orchester mit den
angeschlossenen Einrichtungen einer Musikschule, Kunstschule und Suzuki-
Akademie verknüpft hat. Die Erfahrungen in diesem musischen Biotop, in dem
über 1.000 Schüler und Erwachsene von ca. 100 Orchestermusikern und Pädagogen
betreut werden, sind außerordentlich positiv. Dass unter dem Dach eines
professionellen Symphonieorchesters eine pädagogisch ambitionierte Musikschule
betrieben wird, bietet den Schülerinnen und Schülern besondere Chancen. 
 
Die Musikschule der Hofer Symphoniker gilt aufgrund ihrer herausragenden
Qualität als eine der führenden Musikschulen in ganz Deutschland, wie u. a. die
beeindruckenden Erfolge bei Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ oder dem
„Deutschen Akkordeon Musikpreis“ belegen, bei denen die Schülerinnen und
Schüler stets hervorragend abschneiden, ja zum Teil sogar mit dem 1. Preis auf
der Bundesebene „Jugend musiziert“ bzw. mit dem Titel „Deutscher Meister“
heimkehren.
 
Bereits die Gründung durch Intendant a. D. Wilfried Anton im Jahr 1978 war
modellhaft und richtungweisend. Dies hat sich bis heute erhalten. Der Name der
Hofer Symphoniker steht sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit stets
für Innovation und das Beschreiten neuer Wege. Dies zeigen die zahlreichen
Schulkooperationen, die mit den verschiedensten allgemeinbildenden Schulen in
Hof eingegangen wurden. Für die Hofer Symphoniker ist die Kooperation mit Naila
die erste Kooperation mit einer Realschule. Intendantin Ingrid Schrader freut sich
auf die Zusammenarbeit und ist sicher, dass die langjährigen Erfahrungen, die das
Kulturunternehmen mit dem musischen Zweig am Jean-Paul-Gymnasium Hof
sammeln konnte, hier helfen können.

Begonnen hat alles mit der Einführung der 6-stufigen Realschule, der später die
Forschungsarbeit „Schulversuch Musische Realschule“ von Evelyn Beißel folgte, die
das Projekt und die Fachschaft Musik an der Realschule Naila leitet. 
Mit dem Schuljahr 2002/2003 wurde der Musikunterricht Zug um Zug ausgebaut.
Gestartet hatte man mit Keyboardunterricht für alle Schüler der 5. und 6. Klassen.
Erweitert wurde das Angebot ab dem Schuljahr 2006/2007 für die
6. Jahrgangsstufe um eine Bläserklasse und im folgenden Schuljahr folgten eine
Percussion- und Streicherklasse. Die 5. und 6. Klassen dienten der Orientierung,
damit die Schüler dann ab der 7. Jahrgangsstufe den für sie richtigen Zweig
wählen können. Die Schüler der Realschule in Naila können sich zwischen
mathematischer, kaufmännischer, fremdsprachlicher bzw. musisch-ästhetischer
Wahlpflichtfächergruppe entscheiden. Mit Beginn des Schuljahres 2004/2005 war
es den Schülern zum ersten Mal möglich, den Zweig III b mit Musik als Haupt-
und Abschlussprüfungsfach zu wählen. Die von Lehrerseite her spürbaren
Veränderungen beispielsweise des Schulklimas durch den verstärkten
Musikunterricht, welche durch eine externe und interne Evaluation dokumentiert
wurden, waren der Anlass zu Beißels Forschungsprojekt bei Prof. Wolfgang Pfeiffer
in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Lehr- und Lernforschung an der
Universität Erlangen-Nürnberg (ZILL). Ziel ist die Erforschung möglicher
Transfereffekte durch verstärkten Musik- und Instrumentalunterricht mit
Abschlussprüfungsfach Musik an der Realschule in den Jahrgangsstufen 5 bis 10
hinsichtlich sozialer und emotionaler Kompetenzen sowie deren Auswirkung auf
das Schulklima. 
 
Diese Forschungsarbeit und die Studie der Hofer Symphoniker unter der Leitung
von Prof. Dr. Ernst Pöppel vom Humanwissenschaftlichen Zentrum der Ludwig-
Maximilians-Universität München (LMU) „Ein anderer Ton – Das Hofer Modell“, mit
der die mentale, emotionale und soziale Kompetenz an Schülern mit langfristig
geförderter Musikerziehung untersucht wurde, waren die Initialzündung für die
Kooperation. Evelyn Beißel und Intendantin Ingrid Schrader trafen sich bei der
jährlichen Arbeitstagung des Bayerischen Musikrates im April in der Bayerischen
Musikakademie Hammelburg – 2009 unter dem Titel: Musik an Schulen - und
erkannten sofort die Synergieeffekte, die sich aus beiden Studien für eine
mögliche Zusammenarbeit der beiden Institutionen ergeben können. In kurzer Zeit
wurden bei den nun folgenden Gesprächen zwischen den beiden Einrichtungen die
Grundlagen für die Zusammenarbeit im Schuljahr 2009/2010 gelegt. Die Zeit
drängte, denn das neue Schuljahr stand unmittelbar bevor. Dank der Unterstützung
des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus und hier
insbesondere dem Engagement von Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle konnte
Anfang September der Kooperationsvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und der
Hofer Symphoniker gGmbH geschlossen werden. 
 
Der Musikunterricht im musischen Zweig an der Realschule ist 3-stündig und
analog zum musischen Gymnasium werden die Schüler in praktischen und
schriftlichen Schulaufgaben geprüft. Hinzu kommen der Instrumentalunterricht
sowie das Ensemblespiel am Nachmittag. Ein zweiter Schwerpunkt wird im Fach
Kunsterziehung gesetzt. Die in der Stundentafel verankerte Musikstunde wird hier
dem Fach Kunst zugeschrieben. Ein zusätzliches Wahlfachangebot in Theater, Licht-
und Tontechnik, Schreibwerkstatt oder Grafisches Gestalten am PC ergänzt die
musisch-gestaltende Ausrichtung.
 
Im Musikunterricht wird besonders auf Persönlichkeitsbildung, Teamfähigkeit und
Eigen- sowie soziale Verantwortung Wert gelegt, was sich in der regen Tätigkeit
der Schüler in der kirchlichen Gemeindearbeit und bei Konzerten in Alten- und
Pflegeheimen zeigt. Ziel dieser Erziehungs- und Bildungsarbeit ist es vor allem
„Herz und Charakter zu bilden“ (Art. 131 Abs. 1 Bayerische Verfassung) und die
Jugendlichen zur Teilhabe und Teilnahme am kulturellen Leben zu befähigen. Das
nebenberufliche, ehrenamtliche Engagement als Mitglied oder gar Leiter von
Laienensembles in der (kirchlichen) Jugendarbeit darf hierbei nicht außer Acht
gelassen werden.
 
Im Schuljahr 2009/2010 besuchen wie jedes Jahr 20 bis 25 Prozent der Schüler
eines Jahrgangs den musischen Zweig. Der Instrumental- und Vokalunterricht wird
von Lehrkräften des Kultur- und Bildungsunternehmens Hofer Symphoniker betreut.
Unterrichtet werden die Fächer Klavier, Klarinette, Saxophon, Trompete, Posaune,
Tuba, Querflöte, Gesang, E-Gitarre und klassische Gitarre, E-Bass und Kontrabass,
Schlagzeug, Geige und Bratsche. 

Erste Ergebnisse aus der Evaluation von Beißels Forschungsarbeit treffen eine
klare Aussage zu den erweiterten beruflichen Perspektiven der Absolventen des
musischen Zweiges. 
Zunächst stehen den Schülern alle Lehrberufe offen, da der Abschluss in allen
Zweigen gleichwertig ist und so auch von Ausbildungsbetrieben in allen Bereichen
angenommen wird. Als besonders hilfreich haben sich die im musischen Zweig
erworbenen Zusatzqualifikationen im sozialen, erzieherischen Bereich erwiesen.
Eine schulische Anschlussmöglichkeit sind die Berufsfachschulen für Musik mit dem
Berufsziel des selbstständigen Musiklehrers an Musikschulen. Mit dem Abschluss
dieser Schule wird zudem die Zulassung zum Studium Fachlehrer für Musik und IT
(Ansbach) und zum Diplom-Studiengang Instrumentenbau (Markneukirchen)
erworbenen. Als Lehrberufe bieten sich das Berufsbild Erzieherin,
Instrumentenbauer (z. B. Markneukirchen), Veranstaltungstechniker sowie
Musikalienhändler besonders an. Direkten Zugang haben die Realschüler zu den
Fachakademien für Logopädie (Plauen) oder Sozialpädagogik (Hof). Mit dem
Erwerb des Fachabiturs an der Fachoberschule erschließen sich je nach gewählter
Ausbildungsrichtung weitere Möglichkeiten: beispielsweise Studium Tontechnik
(mathematischer Zweig), Kulturmanagement (wirtschaftlicher Zweig) oder
Musikalische Sozialpädagogik (Regensburg) sowie Theater- und Kulturpädagogik
(sozialer Zweig) bzw. Design oder Architektur (gestaltender Zweig Fachoberschule
Bayreuth oder Plauen). Mit dem Erwerb der allgemeinen Hochschulreife über die
„Einführungsklasse“ am Gymnasium eröffnen sich auch Berufsfelder wie
Musiktherapie, Musikpsychologie oder Musikjournalismus. Viele Musikhochschulen
eröffnen aber auch die Möglichkeit eines künstlerischen Studiums für Realschüler
(ohne Abitur). 
 
Der Kooperationsvertrag wurde über fünf Jahre abgeschlossen. Sowohl Intendantin
Ingrid Schrader als auch Realschulrektor Wolfgang Globisch sehen die
Zusammenarbeit auf Dauer angelegt. Beide gehen davon aus, dass der Erfolg
dieser bayernweit einzigartigen Kooperation eines musischen Zweiges an einer
Realschule die Zusammenarbeit darüber hinaus dauerhaft werden lässt.
Das Team, das den musischen Zweig an der Staatlichen Realschule Naila betreut
 
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