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Mit gebündelten Kräften die Hürden im Ehrenamt überwinden

26.10.2009

Eine engere Vernetzung und Professionalisierung der Vereinsorganisation sowie die Bereitschaft, vorhandene Strukturen auf den Prüfstand zu stellen, um für potentielle Interessenten offen und attraktiv zu bleiben, bildeten die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeitstagung „Ehrenamtliches Engagement im Kulturbereich" am Samstag im Bayerischen Landtag.


Über 100 Vertreter aus Musikverbänden und Musikinstitutionen in Bayern waren gekommen, um gemeinsam mit einer hochkarätig besetzten Expertenrunde über die Zukunft von Ehrenamt und Vereinswesen zu diskutieren. Dazu eingeladen hatte Andreas Horber, Leiter des Referats Laienmusik im Bayerischen Musikrat in Kooperation mit dem Bayerischen Blasmusikverband und dem Kulturforum Deutschland. Andreas Horber: „Mit dieser Veranstaltung ist ein Anfang gemacht. Wir wissen nun genau, wo der Schuh drückt, und wir werden die Angebote aufgreifen, uns enger miteinander zu vernetzen,
um mit Hilfe der Erfahrung von Experten Schritt für Schritt mögliche Lösungsansätze für unsere Vereine und Verbände aufzeigen zu können."

Die aktuelle Situation des Ehrenamts, Auswirkungen der stetig sich ändernden Gesellschaft auf die Vereinsstrukturen, die Fallstricke der Bürokratie, die mangelnde finanzielle Ausstattung der Musikverbände und die Frage nach einem Ausbau der Anerkennungskultur bildeten die Kernpunkte der Diskussion.

Moderiert von Alex Dorow (Bayerischer Rundfunk) bezogen die Podiumsteilnehmer eine klare Position zu Situation und möglichen Perspektiven des Ehrenamts. Die Tatsache, dass sich die meisten Jugendlichen heute nur noch zeitlich begrenzt und projektgebunden an einen Verein binden, sei ein signifikantes Zeichen einer sich ändernden Gesellschaft, in der laut Hilmar Sturm vom Institut für Verbandsforschung an der TU München zudem der Anteil an Jugendlichen stetig abnähme. Das zu akzeptieren, sei der erste Schritt, der automatisch zu strukturellen Veränderungen führen müsse. Doch statt jeden bedienen zu wollen, sei es wirksamer, sich Nischen zu suchen, um gezielt anzusprechen, empfahl der Vorsitzende des Kulturforum Deutschlands, Stefan Liebing. Dabei müsse auf die regional unterschiedlichen Gegebenheiten regional unterschiedliche Antworten gefunden werden. Zuvor aber sollte die Aufgabenstellung von Staat und Bürger geklärt sein, so Andreas Frank vom Referat Bürgerschaftliches Engagement im bayerischen Sozialministerium. Der Staat kann dabei aber nur Rahmenbedingungen schaffen, denn staatliche Lenkung mache das Ehrenamt kaputt, betonte der Staatsminister für Finanzen Georg Fahrenschon. Ideen und Initiativen müssten von der Basis entwickelt werden. Dabei gehe es um die richtige Ansprache und um die Begeisterung, und dann im nächsten Schritt um notwendige Strukturänderungen, die der Staat lediglich unterstützen kann. Die Ehrenamtspauschale, Haftungserleichterungen und Freibeträge für Ehrenamtliche führte Liebing hier als gelungene Beispiele zur Förderung des Ehrenamtes an. Dass Vereine, die die Notwendigkeit der Strukturveränderung angehen, Erfolge verbuchen, bestätigte der Vizepräsident des Bayerischen Landessportverbandes Otto Marchner. Dazu habe der BLSV beispielsweise das Angebot der „Zukunftswerkstatt" konzipiert. Auch empfahl Marchner, in Richtung einer gezielten Professionalisierung  der Ehrenamtlichen und hauptamtlicher Geschäftsführer umzudenken, um die zunehmende Bürokratisierung zu bewältigen.  

Auf Wortmeldungen aus dem Publikum, dass KSK und GEMA über Gebühr die Vereinskassen belasteten, betonte Fahrenschon, dass die Probleme bekannt seien und man sich damit auseinandersetzen müsse. Die Frage nach der Einstellung finanzieller Förderungen erfolgreicher Initiativen beantwortete Fahrenschon mit dem Hinweis auf die Zuständigkeit der jeweiligen Ressorts und deren Aufgabe, Prioritäten zu setzen. In der Diskussion um mögliche Formen der Anerkennung des Ehrenamts verwies Andreas Frank auf ein Angebot des Sozialministeriums, das im November online verfügbar ist und sich gezielt an die kurzzeitig ehrenamtlich Tätigen richte. Mit Blick auf die Einschränkungen von Arbeitnehmern bei der Ausübung ihres Ehrenamtes empfahl Fahrenschon ein Gespräch mit den Spitzen der bayerischen Wirtschaft, um gezielt den Arbeitgebern die Bedeutung des Ehrenamts zu vermitteln.

In seinem Schlusswort mahnte BMR-Präsident Thomas Goppel an, dass man viel über, aber mangels Anwesenheit nicht mit der Jugend gesprochen habe. Darauf deute auch ein weit verbreitetes Problem, dass mancher Vereinsvorsitzender zu „lange Zeit sitze und nicht gehe" und damit Jugend erst gar nicht zum Ehrenamt zulasse. Eine Definition des Ehrenamtes, verbesserte Rahmenbedingungen zur Freistellung für das Ehrenamt, eine engere Vernetzung und mehr Offenheit der Verbände untereinander und mit der Basis sowie eine Aufstockung der finanziellen Ausstattung der Zentralverbände nannte er als notwendige nächste Schritte. Goppel: „Mit dieser Fachtagung ist uns ein guter Anfang gelungen. Aber nun ist es die Aufgabe aller, die begonnene Diskussion rund um die Strukturen im Ehrenamt fortzuführen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln."
Diskutierten über die Zukunft des Ehrenamts (v.re): Georg Fahrenschon, Otto Marchner, Dr. Andreas Frank, Alex Dorow, Dr. Hilmar Sturm und Stefan Liebing.
 
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