BMR-Präsident Dr. Thomas Goppel überreicht Zelter-Plakette an Liedertafel Moorenweis
22.10.2011Chöre die mit der Zelter-Plaketten ausgezeichnet werden, haben lt. Präambel zur Zelter-Plakette den Nachweis erbracht, dass sie sich „in ernster und erfolgreicher musikalischer Arbeit der Liederpflege bzw. der Pflege der Instrumentalmusik gewidmet und sich im Rahmen der örtlich gegebenen Verhältnisse künstlerische und volksbildende Dienste erworben haben.“ Einem solchen kulturschaffenden „Überlebenskünstler“ konnte BMR-Präsident Dr. Thomas Goppel nachträglich die Zelter-Plakette überreichen, verbunden mit den besten Glückwünschen des Bayerischen Musikrates an die Liedertafel Moorenweis.
Grußwort des Präsidenten des Bayerischen Musikrates
Dr. Thomas Goppel
für die Liedertafel Moorenweis zum 100jährigen Bestehen
am Samstag, den 22. Oktober 2011
„Wieviel Mühe, Sorgen, Plagen,
wieviel Ärger musst Du tragen,
gibst viel Geld aus, opferst Zeit
und der Lohn? Undankbarkeit!
Drum, so rat’ ich Dir im Treuen,
willst Du Weib und Kind erfreuen,
soll Dein Kopf Dir nicht mehr brummen,
lass’ das Amt doch and’ren Dummen!“
Da hat er also, der gute Wilhelm Busch, ebenso gekonnt wie schonungslos die eine – die negative – Seite der Medaille „Ehrenamt“ aufgezeigt. Allzu ernst hat er es sicherlich nicht gemeint, aber ein Körnchen Wahrheit ist schon dabei, vielleicht sogar ein paar dicke Körner. Davon können wohl auch die meisten von Ihnen ein Lied singen. Und möglicherweise hat sich mancher von Ihnen auch schon die Frage gestellt: „Warum mach ich das?“ oder „Lohnt sich das wirklich?“
Um meine Antwort gleich vorwegzunehmen: Ich meine, es lohnt sich – und zwar für jeden Einzelnen, der sich im Ehrenamt engagiert und vor allem auch für die Gemeinschaft.
Denn beim Thema „Ehrenamt“ geht es um Fragen von grundlegender staats- und gesellschaftspolitischer Bedeutung. Letztlich geht es dabei um die Frage, wie das Zusammenleben der Menschen in unserer Gemeinschaft organisiert wird, wie die Ordnung unseres Gemeinwesens aussehen soll.
Ohne die in Bayern zahlreicher und engagierter als in anderen Bundesländern agierenden Ehrenamtlichen wäre viel in unserem Staat und in unserer Gesellschaft nicht leistbar und schon gar nicht finanzierbar. Und vermutlich wäre es auch nicht so erfolgreich, weil Vielem das Herzblut und die Liebe zum Detail fehlen würde.
Aus diesem Grund war es eine weise Entscheidung, die unsere früheren Bundespräsidenten Lübke und Heuss getroffen haben, Chöre und Musikvereine mit einer herausragenden Ehrung für mindestens 100jähriges Bestehen zu bedenken. Denn diese Vereine und die dahinter stehenden Menschen sind wahre Überlebens-Künstler. Sie haben zwei Weltkriege überstanden und einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel aktiv mitgestaltet. Es sind also keine kurzfristigen grandiosen Strohfeuer, sondern eine Stetigkeit und Beständigkeit in der musikalischen Arbeit, welche letztlich von nachhaltigerer Wirkung für das kulturelle Leben und die Identität einer Gemeinschaft sind. Aber es reicht bei weitem nicht nur das langfristige Bestehen. Die Chöre und Orchester, die mit der Zelter- bzw. der Pro-Musica-Plaketten geehrt werden, haben den Nachweis erbracht, dass sie sich „in ernster und erfolgreicher musikalischer Arbeit der Liederpflege bzw. der Pflege der Instrumentalmusik gewidmet und sich im Rahmen der örtlich gegebenen Verhältnisse künstlerische und volksbildende Dienste erworben haben.“
Dafür darf ich den heute der Liedertafel Moorenweis im Namen des Bayerischen Musikrates unsere herzlichsten Glückwünsche aussprechen.
Dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und an vorderster Stelle dem zuständigen Staatsminister danke ich dafür, dass sie die Vergabe und die Qualitätskontrolle des Festaktes zur Verleihung der Zelter- und Pro-Musica-Plaketten an den Bayerischen Musikrat übertragen haben.
Ihnen lieber Vereinsvorsitzende, Chorleiter und Dirigente möchte ich abschließend noch ein kleines Gedicht widmen:
Die Liedertafel Moorenweis
kriegt heut den Präsidentenpreis,
den es schon lang gibt, den vom Heuss,
da sag ich allen hier nichts Neu’s!
Noch älter ist sie, die Plakette,
die gern er übergeben hätte,
der Wolfgang Heubisch, heut Minister,
mir taugt es, dass verhindert ist er.
Jetzt bringe ich das alte Trumm
aus Berlin, von wo ich kumm,
eben frisch vom Musikrat
der dort Bundestagung hat.
Für hundert Jahre Chorgesang
freiwillig und ohne Zwang,
stimmlich sauber intoniert
und von Steinhart eintrainiert.
Lackmann hat es gut gesagt:
„Der Chor ist jung und nicht betagt.“
Der heut kriegt dankbar die Plakette,
demnächst ziert sie die Probenstätte.
Der Chor singt weiter laut und gut,
wie unverdrossen man das tut,
wenn man aus Erfahrung weiß
nur der Fleiß beschert den Preis.
Glückwunsch herzlich und Chapeau!
Kompliment! Singt weiter froh!
Schluss jetzt mit dem Gastgeschwafel.
Lang lebe sie, die Liedertafel!