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Rezension LUX von Julia Bauer

09.11.2011

„Das Licht als lebensspendende Kraft, als zentrale Macht am Anfang und Ende des Lebens, das Licht letztendlich als Symbol für das Göttliche ist der thematische Leitfaden des Konzertprogramms.“ Der einführende Satz des künstlerischen Leiters Gerd Guglhör war Programm: ein strahlendes Klangerlebnis bescherte am 1. November 2011 der Bayerische Landesjugendchor mit Gästen im Großen Saal der Hochschule für Musik und Theater München.


Der Chor eröffnete das letzte von drei Konzerten der diesjährigen Herbstprobenphase mit J.S. Bachs Motette „Komm Jesu, komm“. Das doppelchörig angelegte Werk ebnete den Weg über abstraktere Harmonien, perkussive Rhythmen hin zum Hauptwerk des Abends. Schon mit dem darauffolgenden Stück von John Rutter „Hymn to the creator of the light“ kam die für Rutter typische, ungewöhnliche Harmonie zum Vorschein. Mit „Lighten mine eyes“ von Bo Hansson zeigte Gerd Guglhör mit der Gegenüberstellung von Frauen- und Männerchor nun eine weitere ganz andere Klangperspektive. Der erste Konzertteil, ausschließlich geprägt von Vokalmusik, endete mit einem rhythmischen Stück, das bereits den zweiten Teil des Konzertes erahnen ließ. So handelte es sich schon hier um eine Vertonung von Requiemfragmenten, jedoch nicht in einer klassischen Ausführung, wie sie so mancher für einen liturgischen Text erwartet hätte, sondern mit imposant skandierten Rhythmen, die dem Text einen überaus interessanten Reiz gaben.

Für das Hauptwerk des Abends, das Requiem des schwedischen Komponisten Nils Lindberg, hatte sich der Bayerische Landesjugendchor einige Gäste eingeladen. Zum ersten Mal arbeitete der Chor mit dem Landes-Jugendjazzorchester Bayern unter der Leitung von Harald Rüschenbaum zusammen. Das Dirigat übernahm Fred Sjöberg aus Schweden. „Requiem aeternam dona eis domine“, so beginnt und endet das Werk, umrahmt von einem ausdrucksvollen Saxophon-Solo. Außergewöhnlich an diesem Werk ist die überraschend wechselnde Vielfalt von Chor, insbesondere den a-cappella-Stellen, Jazzorchester, Soli von Sängern ebenso wie von Instrumentalisten. Nicht zuletzt die Leistung der drei Solisten Gunnel Sjöberg (Sopran), Ulrike Malotta (Mezzosopran) und Andreas Burkhart (Bariton) machten das „Requiem“ von Nils Lindberg zu einem ganz besonderen Klangerlebnis. So mancher Besucher kam erstmals in den Genuss, „Kulning“ - einen Gesang in exaltierter Lage, der in skandinavischen Ländern weit verbreitet ist und unserem Jodeln sehr nahe kommt – kennen zu lernen. Beim Tuba Mirum kontrastierte diese Gesangstechnik eindrucksvoll mit den apokalypisch anmutenden Posaunen. 

Nun übernahm Gerd Guglhör wieder die Leitung des Ensembles, denn, so Guglhör „sowas erlebt man nicht alle Tage, Chor und Jazzorchester dirigieren zu können“. Auch als letztes Stück hatte er etwas aussergewöhnliches ausgewählt: das erst 2009 uraufgeführte „Gloria“ von Wolfram Buchenberg, einem der bedeutendsten Komponisten neuer Chormusik. Selbst das Publikum konnte bei den außergewöhnlich markanten Rhythmen nicht stillsitzen.

So endete der kurzweilige Abend für Landes-Jugendjazzorchester und Landesjugendchor mit großem Erfolg und standing ovations des Publikums.


Bayerischer Landesjugendchor bei den diesjährigen Herbstkonzerten
Gerd Guglhör, Gunnel und Fred Sjöberg
 
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