Gemeinsam für kulturelle Bildung im Ganztag

28.04.2015
Erstmalig lud der Bayerische Musikrat gemeinsam mit Verbandsvertretern aus den Sparten Kunst und Sport und in Kooperation mit dem Bayerischen Kultusministerium zur Fachtagung „Bildung stärken“. Das gemeinsame Ziel lautete, für Musik, Kunst und Sport im Ganztag zu werben und gangbare Wege zu diskutieren. Thomas Goppel: „Musik, Kunst, Sport - wir wollen gemeinsam die kulturelle Bildung im Ganztag stärken. An erster Stelle steht für uns dabei das Kind, das in seiner Individualität Förderung erfahren soll. Damit das gelingt, brauchen wir die Vielfalt der Kultur-Einrichtungen, die in der unmittelbaren Nachbarschaft von Ganztagsschulen angesiedelt sind, und ein Instrumentarium, das die Qualität bei der Umsetzung der Kultur-Angebote garantiert. Unsere Musikschulen, Kunstschulen, Musikvereine und Sportvereine entwickeln bedarfsgerechte Programme und sind damit die idealen Partner in Ergänzung zum Schulangebot.“

Über 200 Vertreter aus Schulleitung und übergeordneten Behörden kamen in den Bayerischen Landtag, um erprobte Modelle kennenzulernen und in Arbeitskreisen Bedingungen für mehr Musik, Kunst und Sport zu erörtern. Prof. Dr. Ludwig Stecher von der Universität Gießen gab im Einführungsvortrag einen Überblick über das pädagogische Potenzial an Ganztagsschulen. Die Repräsentanten der Verbände, Dr. Thomas Goppel für den Bayerischen Musikrat, Günter Lommer für den Bayerischen Landes-Sportverband, Ruth Plaumann und Ute Heim für den Berufsverband Bildender Künstler LV Bayern und Reinhard Kapfhammer für den Landesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen Bayern zeigten in Vorträgen die Vielfalt der Angebote in ihrem Bereich auf. Schulleiter aus Grund-, Mittelschule und Gymnasium demonstrierten im Anschluss am Beispiel ihrer Schule, in welcher Bandbreite Musik, Sport und Kunst im Ganztags-Schulalltag gelingt.

In schulartspezifischen Gruppen am Nachmittag wurden im Gespräch mit Experten aus dem Kultusministerium vor allem Gelingens-Bedingungen für die jeweilige Schulart erörtert und Erfahrungen ausgetauscht. Dabei zeigte sich, dass unabhängig von der jeweiligen Schulart die Gewichtung auf kulturelle Bildung im Ganztag wesentlich von der Zielsetzung der Schulleitung und den Angeboten vor Ort abhängen.
Ministerialdirektor Herbert Püls vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultur, Wissenschaft und Kunst machte deutlich, dass durch die Öffnung für kindgemäße Lösungen fast jede Variante Platz hat. In der abschließenden Diskussion zwischen Politik und Verwaltung unterstrich er wie kein anderer, dass „der Ganztag in der Schule jede Wahlfreiheit lässt.“ Für die Politik hatten die vier im Landtag vertretenen Parteien ihre Vertreter entsandt. Günther Felbinger, MdL für die Freien Wähler, Thomas Gehring, MdL für Die Grünen, Martin Güll, MdL für die SPD und Dr. Klemens Gsell, Nürnberg für die Kommunen reklamierten schulischen Erneuerungsbedarf im Ganztag in größerem Umfang. Ausstattung, Räume und Personal verlangten bei ganztägigem Aufenthalt nach einem runderneuerten Selbstverständnis. Peter Winter, MdL (CSU) plädierte dafür, dass sich Schulleiter und Vertreter von Musikeinrichtungen und Sportvereinen vor Ort zusammenfinden sollten, um aufbauend auf dem Vorhandenen gemeinsam Angebote entsprechend der Möglichkeiten der jeweiligen Schule zu entwickeln.

Der große Expertenkreis war sich am Ende mit dem Veranstalter, dem Bayerischen Musikrat einig: Kulturelle Bildung lebt vom Zusammenhalt der unterschiedlichen Sparten. Im Ganztag braucht sie mehr Zeit und Raum. Wo sich das Trio Musik/Sport/Kunst ergänzen kann, profitieren alle: die Lehrkräfte und ihre im Verein organisierten Unterstützer, vor allem aber die Kinder, die je nach Talent und Veranlagung Zeit bekommen für ihre Leidenschaften und Interessen.

Goppel: „Erstmals sind wir – Kunst, Sport und Musik – zusammen angetreten, um unseren ganz anderen Erziehungsauftrag zu reklamieren. Der Dialog ist begonnen. Wir haben beschlossen, ihn fortzusetzen, um Schule, Gesellschaft und uns selbst darin zu überprüfen, ob wir den theoretischen Ansätzen schulfamilienorientierte Praxis auch tatsächlich verordnen!“
 

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