Stimmt das wirklich? Ist das Leben besser mit Musik? Lernt man schneller und nachhaltiger mit Musik?
Können musikalische Proben uns das Fokussieren lehren? Macht Musik glücklich?

Die Antwort kommt im Forte, also laut, und ist eindeutig: JA! Und sie wird belegt durch diverse Studien, ein großes Angebot an musikalischen Möglichkeiten für Studierenden in ganz Bayern und sicher auch durch Erfahrungen im persönlichen Umfeld – einfach mal im Uni-Chor oder im Abaco-Orchester nachfragen.
Die Moderatorin Anke Engelke castete vor einigen Jahren für eine ARD-Themenwoche „Zum Glück“ für ihren Chor der Muffligen unglückliche Menschen, die durch das gemeinsame Singen froher werden sollten. Und tatsächlich stiegen die entsprechenden Hormone im Speichel der Sänger während der dreimonatigen Probenzeit messbar an . Eine gerade veröffentlichte Studie über die Nachwirkungen von frühem Musizieren im späteren Leben von Jugend-musiziert-Teilnehmerinnen und -teilnehmerkommt zu
dem Schluss: „Die Lebensqualität der befragten Ehemaligen ist im Vergleich zu repräsentativen Normwerten überdurchschnittlich hoch.“

 
Aber was genau könnte der Vorteil von Musizieren beim Studieren sein? Was bringt das Musizieren neben einem Nicht-Musik-Studium? Sehr beliebt bei den sog. „höheren Semestern“, also im Klartext bei denen, die schon nicht mehr studieren, ist der Hinweis auf den Erwerb von Soft Skills durch das Musizieren. Gemeint ist das Erlernen bestimmter Fähigkeiten, die im gesellschaftlichen und beruflichen Leben nicht nur nützlich, sondern enorm wichtig sind, wie zum Beispiel Auftritts-, Wettbewerbs- und Prüfungstraining, Disziplin und Durchhaltevermögen, Fokussierung, Umgang mit Prüfungsangst und Leistungsdruck, Arbeiten im Team, Verarbeiten von Scheitern, Enttäuschung und Kritik. Tatsächlich sind all diese Merkmale beim Musizieren wichtig und erlernbar und lassen sich gut auf das Studium übertragen.
Wer sich in monatelanger Probenarbeit mit den Chor- und Orchesterkolleginnen und -kollegen auf ein Konzert vorbereitet, dabei den Fokus auf das Einstudieren eines bestimmten Repertoires legt, die Kritik der künstlerischen Leitung als Motivation annimmt, um das Beste zu geben, und trotz Lampenfieber das in den Proben Geübte im Konzert abrufen kann, wird auch im Studium Teamarbeit umsetzen können, die wichtige Konzentration auf die Hausarbeit hinbekommen, die heftig korrigierte und (aus eigener Sicht) suboptimal bewertete Klausur als Ansporn für die nächste, bessere Klausur nutzen und wird, wenn es darauf ankommt, das erlernte Wissen abrufen können.


Noch besser aber ist der Spaß bei der ganzen Sache! Jede Menge Leute, die zwar unterschiedliche Dialekte und oft auch andere Sprachen sprechen, sich aber alle auf eine Sprache, die Musik, verständigen. Jede Menge Möglichkeiten, sein Können einzubringen: Sich als Solist, Solo-Sänger oder Stimmführer präsentieren oder im Tutti zusammen mit anderen Spaß haben, alles geht.


Jede Menge Repertoire: von Madrigalen über Barock und Klassik bis zu Pop, HipHop und Rap ist an den Unis alles vertreten, was musikalisch machbar ist. Und jede Menge potenzielle Dates: Nette Menschen im passenden Alter, von der Uni oder auch von außerhalb – viele Uni-Chöre und -Orchester sind auch offen für andere Mitglieder –, mit denen man schon mal die Begeisterung für Musik teilt – und bald vielleicht auch mehr.


Eine vollständige Erhebung über die Anzahl und Struktur der musikalischen Angebote für Studierende an den Universitäten in Bayern liegt noch nicht vor. Der Bayerische Musikrat, Dachverband der Musikorganisationen in Bayern, hat damit begonnen, eine solche Liste zu erstellen. Ziel ist es, die vielen musikalischen Vereinigungen miteinander in Kontakt zu bringen und den Spaßfaktor, beispielsweise mit einem Festival für Uni-Musik, noch zu erhöhen. Denn neben den Konzerten und (Auslands-)Konzertreisen, die viele der Uni-Chöre und -Orchester durchführen, sollte auch der innerbayerische Austausch gefördert werden.


Ein Problem für musikalische Studierende könnte das Üben sein. Ein WG-Zimmer oder eine Wohnung zu finden, ist ja schon schwierig genug, aber mit Übemöglichkeit – da wird so ziemlich jede Statistik ein Ergebnis nahe Null präsentieren. Zwar gibt es im Mietrecht natürlich den Anspruch darauf, in einem gewissen zeitlichen und akustischen Rahmen üben zu dürfen, und man wird das Instrument ja auch nicht zur Wohnungsbesichtigung oder zum Unterschreiben des Mietvertrages mitnehmen. Dass es aber Diskussionen darüber geben wird, ist sicher. Auch das Angebot, das Leben in der Hausgemeinschaft monatlich mit einem Kammerkonzert oder diversen Cover-Songs zu bereichern, wird das Problem nicht lösen.

 
Hier könnte die Uni helfen, indem Räume (zumindest zeitweise) als Überäume ausgewiesen würden oder Listen mit Übungsmöglichkeiten,zum Beispiel in kirchlichen Räumlichkeiten, ausgegeben würden. Auch sogenannte Übedämpfer, die es für viele Instrumente gibt und die das Musizieren tatsächlich auf Zimmerlautstärke dämpfen, können die Situation entspannen. Und wenn die Mitbewohner und Nachbarn dann gegen Ende des Semesters der Einladung zum Konzert folgen und anschließend natürlich begeistert sind, sind mögliche Diskussionen über Übezeiten hoffentlich schnell beendet.


In den ersten Semestern sind Neu-Studierende beim Start in ein neues Leben mit der Organisation ihres Studiums, der Konzentration auf die Studieninhalte, dem Ankommen in der neuen Stadt und der erstmaligen Führung eines eigenen Haushalts (Putzplan, Kochen!) stark gefordert. Zudem zeigt sich überall der Reiz des Neuen, in Semesterpartys, einer coolen Clubszene, Programmkinos mit anspruchsvollen Angeboten, einem überwaÅNltigenden Kulturangebot der neuen Heimatstadt und einer tollen Off-Szene. Abschalten fällt da schwer, denn die neuen Reize sind vielfältig und es sind viele. Gerade dann hilft es, nicht nur zu konsumieren, sondern selbst etwas zu machen – selbst zu musizieren. Die Konzentration und Fokussierung auf die Schönheit eines Tons, die Ausdrucksstärke einer Melodie und das
Zusammenfinden vieler Instrumente zu einem Klang führt heraus aus dem Alltag, weg vom Druck der Studiumsanforderungen und lässt den aktuellen Stress vergessen. Der Kopf wird frei durch die Musik und man kann wieder neu durchstarten.

Also, ran an die Instrumente und rein ins Vergnügen! Informationen über die musikalischen Möglichkeiten an den Unis gibt es auf den Websites oder bei den  Studierendenvertretungen. Dann noch schnell das Instrument abstauben, ein paar Tonleitern üben und – auf geht’s!

Die Antwort kommt im Forte, also laut, und ist eindeutig: JA! Und sie wird belegt durch diverse Studien, ein großes Angebot an musikalischen Möglichkeiten für Studierenden in ganz Bayern und sicher auch durch Erfahrungen im persönlichen Umfeld – einfach mal im Uni-Chor oder im Abaco-Orchester nachfragen.
Die Moderatorin Anke Engelke castete vor einigen Jahren für eine ARD-Themenwoche „Zum Glück“ für ihren Chor der Muffligen unglückliche Menschen, die durch das gemeinsame Singen froher werden sollten. Und tatsächlich stiegen die entsprechenden Hormone im Speichel der Sänger während der dreimonatigen Probenzeit messbar an . Eine gerade veröffentlichte Studie über die Nachwirkungen von frühem Musizieren im späteren Leben von Jugend-musiziert-Teilnehmerinnen und -teilnehmerkommt zu
dem Schluss: „Die Lebensqualität der befragten Ehemaligen ist im Vergleich zu repräsentativen Normwerten überdurchschnittlich hoch.“


Aber was genau könnte der Vorteil von Musizieren beim Studieren sein? Was bringt das Musizieren neben einem Nicht-Musik-Studium? Sehr beliebt bei den sog. „höheren Semestern“, also im Klartext bei denen, die schon nicht mehr studieren, ist der Hinweis auf den Erwerb von Soft Skills durch das Musizieren. Gemeint ist das Erlernen bestimmter Fähigkeiten, die im gesellschaftlichen und beruflichen Leben nicht nur nützlich, sondern enorm wichtig sind, wie zum Beispiel Auftritts-, Wettbewerbs- und Prüfungstraining, Disziplin und Durchhaltevermögen, Fokussierung, Umgang mit Prüfungsangst und Leistungsdruck, Arbeiten im Team, Verarbeiten von Scheitern, Enttäuschung und Kritik. Tatsächlich sind all diese Merkmale beim Musizieren wichtig und erlernbar und lassen sich gut auf das Studium übertragen.
Wer sich in monatelanger Probenarbeit mit den Chor- und Orchesterkolleginnen und -kollegen auf ein Konzert vorbereitet, dabei den Fokus auf das Einstudieren eines bestimmten Repertoires legt, die Kritik der künstlerischen Leitung als Motivation annimmt, um das Beste zu geben, und trotz Lampenfieber das in den Proben Geübte im Konzert abrufen kann, wird auch im Studium Teamarbeit umsetzen können, die wichtige Konzentration auf die Hausarbeit hinbekommen, die heftig korrigierte und (aus eigener Sicht) suboptimal bewertete Klausur als Ansporn für die nächste, bessere Klausur nutzen und wird, wenn es darauf ankommt, das erlernte Wissen abrufen können.

 
Noch besser aber ist der Spaß bei der ganzen Sache! Jede Menge Leute, die zwar unterschiedliche Dialekte und oft auch andere Sprachen sprechen, sich aber alle auf eine Sprache, die Musik, verständigen. Jede Menge Möglichkeiten, sein Können einzubringen: Sich als Solist, Solo-Sänger oder Stimmführer präsentieren oder im Tutti zusammen mit anderen Spaß haben, alles geht.

Jede Menge Repertoire: von Madrigalen über Barock und Klassik bis zu Pop, HipHop und Rap ist an den Unis alles vertreten, was musikalisch machbar ist. Und jede Menge potenzielle Dates: Nette Menschen im passenden Alter, von der Uni oder auch von außerhalb – viele Uni-Chöre und -Orchester sind auch offen für andere Mitglieder –, mit denen man schon mal die Begeisterung für Musik teilt – und bald vielleicht auch mehr.


Eine vollständige Erhebung über die Anzahl und Struktur der musikalischen Angebote für Studierende an den Universitäten in Bayern liegt noch nicht vor. Der Bayerische Musikrat, Dachverband der Musikorganisationen in Bayern, hat damit begonnen, eine solche Liste zu erstellen. Ziel ist es, die vielen musikalischen Vereinigungen miteinander in Kontakt zu bringen und den Spaßfaktor, beispielsweise mit einem Festival für Uni-Musik, noch zu erhöhen. Denn neben den Konzerten und (Auslands-)Konzertreisen, die viele der Uni-Chöre und -Orchester durchführen, sollte auch der innerbayerische Austausch gefördert werden.


Ein Problem für musikalische Studierende könnte das Üben sein. Ein WG-Zimmer oder eine Wohnung zu finden, ist ja schon schwierig genug, aber mit Übemöglichkeit – da wird so ziemlich jede Statistik ein Ergebnis nahe Null präsentieren. Zwar gibt es im Mietrecht natürlich den Anspruch darauf, in einem gewissen zeitlichen und akustischen  Rahmen üben zu dürfen, und man wird das Instrument ja auch nicht zur Wohnungsbesichtigung oder zum Unterschreiben des Mietvertrages mitnehmen. Dass es aber Diskussionen darüber geben wird, ist sicher. Auch das Angebot, das Leben in der Hausgemeinschaft monatlich mit einem Kammerkonzert oder diversen Cover-Songs zu bereichern, wird das Problem nicht lösen.


Hier könnte die Uni helfen, indem Räume (zumindest zeitweise) als  Überäume ausgewiesen würden oder Listen mit Übungsmöglichkeiten, zum Beispiel in kirchlichen Räumlichkeiten, ausgegeben würden. Auch sogenannte Übedämpfer, die es für viele Instrumente gibt und die das Musizieren tatsächlich auf Zimmerlautstärke dämpfen, können die Situation entspannen. Und wenn die Mitbewohner und Nachbarn dann gegen Ende des Semesters der Einladung zum Konzert folgen und anschließend natürlich begeistert sind, sind mögliche Diskussionen über Übezeiten hoffentlich schnell beendet.


In den ersten Semestern sind Neu-Studierende beim Start in ein neues Leben mit der Organisation ihres Studiums, der Konzentration auf die Studieninhalte, dem Ankommen in der neuen Stadt und der erstmaligen Führung eines eigenen Haushalts (Putzplan, Kochen!) stark gefordert. Zudem zeigt sich überall der Reiz des Neuen, in Semesterpartys,einer coolen Clubszene, Programmkinos mit anspruchsvollen Angeboten, einem überwaÅNltigenden Kulturangebot der neuen Heimatstadt und einer tollen Off-Szene. Abschalten fällt da schwer, denn die neuen Reize sind vielfältig und es sind viele. Gerade dann hilft es, nicht nur zu konsumieren, sondern selbst etwas zu machen – selbst zu musizieren. Die Konzentration und Fokussierung auf die Schönheit eines Tons, die Ausdrucksstärke einer Melodie und das Zusammenfinden vieler Instrumente zu einem Klang führt heraus aus dem Alltag, weg vom Druck der Studiumsanforderungen und lässt den aktuellen Stress vergessen. Der Kopf wird frei durch die Musik und man kann wieder neu durchstarten.


Also, ran an die Instrumente und rein ins Vergnügen! Informationen über die musikalischen Möglichkeiten an den Unis gibt es auf den Websites oder bei den Studierendenvertretungen. Dann noch schnell das Instrument abstauben, ein paar Tonleitern üben und – auf geht’s!

Aus dem Münchner UniMagazin 04_19

 https://www.uni-muenchen.de/aktuelles/medien/mum/index.html

 

Karin Rawe hat Musik und Kulturmanagement studiert und unter anderem als Orchesterdirektorin der Staatsoper Hannover und als Geschäftsführerin des Mozartfestes Würzburg gearbeitet. Seit September 2017 ist sie Generalsekretärin des Bayerischen Musikrates. Sie ist „total musikbegeistert“ und will diese Begeisterung mit möglichst vielen Menschen teilen.

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