Chorklassen 

Allgemein

„Chorklassen“ stellt eine neue Form der Vermittlung von Musik ab der 1. Jahrgangsstufe in der Grundschule dar. Kinder entdecken und erforschen mit und über ihre Stimme das Basiswissen im Fach Musik. Dabei werden drei Schwerpunkte gesetzt: Stimmbildung, Chorsingen und Hören & Musizieren. Die im Fachprofil Musikerziehung der bayerischen Lehrplanverordnung vorgegebenen Lernbereiche für die Jahrgangsstufen 1- 4: „Musik machen - Musik hören - Musik umsetzen - Musik gestalten“ werden in Chorklassen durch eine schrittweise Erweiterung der musikalischen Erfahrungsfähigkeit in unmittelbarer Verknüpfung mit der Erweiterung der musikalischen Handlungsfähigkeiten und der Kenntnisse vom Wissen über Musik mit dem Instrument Stimme vermittelt.

Kennzeichen

Chorklassen finden im Rahmen des regulären Pflichtunterrichts im Fach Musik statt. Die Besonderheit besteht darin, dass die Vermittlung der Lerninhalte eng mit dem regelmäßigen vertieften Singen und der Entwicklung der eigenen Stimme verknüpft sind. Laut Schulordnung können in Grundschulen zusätzlich zu den in der Stundentafel ausgewiesenen Musik-Stunden weitere Wochenstunden mit erweitertem Musikunterricht angeboten werden. Eine Voraussetzung für die Chorklasse ist es aber nicht.

Chorklassen an Grundschulen starten idealerweise in der 1. Jahrgangstufe und gehen mindestens über zwei Jahre. Eine Ausweitung auf die Jahrgangstufen 3 und 4 ist empfehlenswert.

Chorklassen an Mittelschulen gehen über zwei Jahre, in der 5. und 6. Jahrgangsstufe.

Das Pilotprojekt

„Mit den Chorklassen können wir Kinder frühzeitig für Musik begeistern und den Weg bereiten für spätere Streicher-, Bläser- und Chorklassen.“ Mit diesem Ziel vor Augen hatte das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus mit dem damalige Kultusminister Siegfried Schneider 2008 im Rahmen des Pilotprojektes „Chorklassen an Grundschulen in Schwaben" zusätzlich 2 Stunden Musikunterricht in der 1. und 2. Jahrgangsstufe gewährt. Kinder dieser Chorklassen erhielten damit 4 Stunden Musikunterricht pro Woche. Das Pilotprojekt startete zunächst an zwei Standorten, in Marktoberdorf und in Markt Rettenbach, wurde zum Schuljahr 2009/2010 auf weitere 8 Grundschulen ausgeweitet und endete zum Schuljahr 2012/2013 mit 20 Chorklassen. Mittlerweile sind an zahlreichen Standorten im Regierungsbezirk Schwaben neue Chorklassen entstanden.

Filmdokumentation: Treffen der Chorklassen 

 

 

Die Wirkung
Im kontinuierlichen Umgang mit der eigenen Stimme und dem verstärkten Musizieren in der Klasse wie der Schule werden neben der Wissensvermittlung und der Ausbildung der eigenen Stimme Persönlichkeit und soziale Kompetenzen des Kindes ausgeprägt und gestärkt. Das belegen erste Erfahrungen seit dem Start. So wird die Individualität erheblich durch das frühzeitige Erkennen und die Weiterentwicklung der musikalischen Anlagen des Schülers gefördert. Erfolgserlebnisse wie das Vorsingen eines Liedes stärken sein Selbstbewusstsein. Gemeinschaft wird beim gemeinsamen Singen und Musizieren verstärkt erlebt, sowohl in der täglichen Praxis im Klassenverband als auch bei Auftritten außerhalb der Klasse. Auch zeigt sich, dass Chorklassen in der 1. und 2. Grundschulklasse Grundlagenkenntnisse vermitteln, auf die jede weitere Musikbetätigung in der 3. und 4. Jahrgangsstufe (z.B. Bläserklassen) mühelos aufbauen können.
 
Qualifizierung der Lehrer
Wesentlicher Bestandteil dieses Modellprojekts ist die Fortbildung "Lehrer singen, Kinder klingen", ausgearbeitet und durchgeführt von Karl Zepnik, Gesangspädagoge und künstlerischer Leiter der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf. An 10 Seminartagen, verteilt über ein Schuljahr, lernen Grundschullehrer den natürlichen Umgang mit der eigenen Stimme und mit der Kinderstimme. Mit dem erfolgreichen Abschluss dieser Fortbildung erwerben die Lehrer die Befähigung zur Leitung von Chorklassen.
 
Kooperationspartner 
Das Pilotprojekt „Chorklassen in Bayern/Schwaben“ wird unterstützt von den Bayerischen Staatsministerien für Wissenschaft, Forschung und Kunst und für Unterricht und Kultus, von der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf, der Regierung von Schwaben, dem Chorverband Bayerisch Schwaben und dem Netzwerk Musik in Bayern.
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