Musik ist Königsweg der Integration

09.03.2016

Zu einem ersten informativen Austausch über Möglichkeiten der Integration von Menschen mit Fluchthintergrund über Musikprojekte lud der Bayerische Musikrat am 2. März in den Bayerischen Landtag. Sieben Initiatoren stellten ihre Projekte vor und belegten damit, dass Musik Barrieren überwindet und die Integration der Neuangekommenen fördert.

„Das sind gute Beispiele, die zeigen, wie es mit Musik gelingt“, betonte Schirmherrin Barbara Stamm und forderte einstimmig mit dem BMR-Präsidenten Dr. Thomas Goppel: „Musik an den Schulen muss wieder wesentlich größeres Gewicht erhalten. Die vielen guten Ideen müssen über Netzwerke in die Breite getragen werden. Wir brauchen diese Kreativität und das großartige Engagement, um die schwierige Aufgabe der Integration zu meistern.“

Der Geschäftsführer der Freien Wohlfahrtspflege Landesarbeitsgemeinschaft Bayern, Wilfried Mück, erörterte vor der Projektpräsentation in einem Impulsreferat die Rahmenbedingungen zum Gelingen von Musikprojekten. Entscheidend bei allem sei, dass die Geflüchteten zeitweise ihre Unterkunft verließen, um über die Musik Freude und Begegnung zu erfahren. Damit die Geflüchteten diese Angebote nutzen können, sollten die Projekte inhaltlich niedrigschwellig und nachhaltig angelegt sein, auf Freiwilligkeit basieren und möglichst flächendeckend angeboten werden. Musikprojekte, wie sie an vielen Orten von Verbänden, örtlichen Musikvereinen und Musikschulen ausgerichtet werden, bezeichnete Wilfried Mück als den „Königsweg von Integration“ überhaupt. 

Schon seit drei Jahren arbeiten Studierende im Bereich Musikpädagogik der Universität Erlangen-Nürnberg unter der Anleitung von Prof. Dr. Wolfgang Pfeiffer mit Schülerinnen und Schülern der Berufsschule Nürnberg mit Migrationshintergrund. Eingebettet in das Modell „klasse.im.puls“ betreuen sie sogenannte Bandklassen mit der Zielsetzung der Integration, des Spracherwerbs und der Stärkung der eigenen Identität durch die Beschäftigung mit der Musik ihres Herkunftslandes und der neuen Heimat. Unter dem Motto „Musik integriert“ werden Studierende für den Musikunterricht an Grund- und Mittelschulen mit Übergangsklassen zur Unterstützung der Lehrkräfte vermittelt. Der Einsatz wird von universitärer Seite vorbereitet, gecoacht und evaluiert. Auch das bestehende Projekt „Musikalische Grundschule“ bietet zahlreiche Ansätze, um Integration mit Musik im Schulunterricht zu unterstützen.

Als Zukunftswerkstatt bezeichnet das Ostbayerischen Jugendorchester innovative Projekte, um Menschen aus unterschiedlichen Kulturen über die Musik in Verbindung zu bringen. Aktuell organisiert es hierzu ein Konzert, das unter dem Motto “Orient meets Occident” ein Ensemble aus geflüchteten Musikern aus dem arabischen Kulturkreis und einen 40-köpfigen Kinderchor mit bis zu 20 Migrantenkinder in seine Proben und Konzerte einbezieht. Hier sollen vor allem die Kinder Teilhabe an dem erfahren, was die Orchestermitglieder selbst als bereichernd erleben.

Michael Forster und Prof. Dr. Stefan Hörmann organisierten mit Studierenden der Musikpädagogik der Universität Bamberg eine Musikfreizeit für eine Schulklasse an der Gangolf-Schule mit hohem Ausländeranteil. Ihre Zielsetzung, dass beide Seiten, Studierende wie Schüler, von dieser Erfahrung profitieren sollten, bestätigten die Teilnehmer in kurzen Statements. Die Erlebnisse reichten von der Überwindung der Angst vor dem Fremden über Motivation und den Erwerb von Didaktik-Kenntnissen bis hin zur Stärkung des Selbstbewusstseins. 

Die Ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuung in Erlangen (EFIE e.V.) hat 2014 das Musikprojekt „miasin zam“ aus der Taufe gehoben. Geflohene Musiker spielen mit Musikern der Region in einer Band und finden über ihre Musik zu einem gemeinsamen Repertoire. Initiator Martin Lehnerer zeigte die Entwicklung von der 3-Mann-Truppe zur festen Band mit 9 Mitgliedern auf und bot einen vielseitigen Einblick in die rege Auftrittstätigkeit.

Im Oktober 2014 startete das Theater am Neunerplatz in Würzburg die Initiative „Willkommen mit Musik“. Unter der Federführung von Jonas Hermes organisieren Musiker und Studierende in Kooperation mit der Hochschule für Musik Würzburg verschiedene Angebote, um den Geflohenen eine neue Heimat zu geben. Dazu zählen Konzerte für und mit Flüchtlingensowie Angebote für Kinder und Jugendliche, die sowohl elementare Musikförderung wie individuelle Instrumentalunterrichtsangebote umfassen.

Christa Coogan,Tänzerin und hauptamtliche EMP-Dozentin an der Hochschule für Musik und Theater München, leitet gemeinsam mit Jazz-Dozent Dr. Andreas Kissenbeck Studierende an, mit Flüchtlingskindern im Münchner Waisenhaus zu arbeiten. Im Einzel- oder Gruppenunterricht, über Konzerte und verschiedene Workshops gelingt der erlebnisorientierte Zugang zu Musik und Tanz. Die Studierenden sammeln erste Berufserfahrungen und erhalten einen tiefen Einblick in die Situation der Kinder und Jugendlichen, die ihrerseits über diese Beschäftigung Zuversicht erfahren.
 
Prof. Dr. Magnus Gaul von der Universität Regensburg hat mit der Pädagogin Eva Nagel das Projekt „SPRING“ in zwei Übergangsklassen einer Grundschule in Regensburg erprobt. In „SPRING“ verbirgt sich die Zielsetzung: SPRache lernen durch SINGen, aber auch Bewegung und Tanz. Entscheidend ist, dass an dieser Schule Deutsch als Zweitsprache erlernt wird.

Im Anschluss an die Präsentationen hatten die Teilnehmer Gelegenheit zum persönlichen Austausch. BMR-Präsident Dr. Thomas Goppel dankte allen beteiligten und betonte, die Vielseitigkeit und der Erfolg dieser Projekte verlange nach einem Netzwerk, damit solche guten Beispiele an allen Orten in Bayern möglich werden.

 

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