Großes Interesse an BMR-Info zur Musikgeragogik

10.03.2015

Musikgeragogik ist eine noch junge Disziplin. Grundsätzlich geht es um altersspezifisch-didaktische Musikvermittlung und Musizierpraxis, die vom elementaren Bereich bis hin zu semiprofessioneller Musikausübung reicht, jedoch anders als in der Jugend darauf ausgerichtet ist, kognitive Fähigkeiten zu erhalten und Lebensqualität zu sichern. Über 90 Vertreter aus den Bereichen der Wohlfahrtspflege, der Seniorenverbände, der Musikpädagogik und der Politik informierten sich auf der Veranstaltung „Musik kennt keine (Alters-)Grenzen“ des Bayerischen Musikrats im Bayerischen Landtag über Ausbildung, Wirkung, Angebot und Nachfrage.

Prof. Dr. Hans Hermann Wickel (Münster) erläuterte in seinem Einführungsvortrag die Musikgeragogik in Abgrenzung zur Musikpädagogik und unterstrich, dass es hierbei in erster Linie um eine Ermöglichungsdidaktik gehe. Lernen im Alter basiere immer auf vorhandener Erfahrung und Kompetenzen, die es zu nutzen gelte. Musikgeragogik im Bereich dementieller Veränderungen kann zu einer Überschneidung mit dem Bereich der Musiktherapie führen, auch wenn die Musikgeragogik dieses Ziel nicht verfolge. 

Den Blick in die Praxis, den die Musikgeragogin Angelika de Marco in ihrem Vortrag bot, bestätigte diese Feststellung. Die aktive Beschäftigung mit Musik könne bei Menschen mit Demenz zu außermusikalischen Transferlösungen führen. Bei Menschen ohne Demenz wirke sie gemeinschaftsbildend und emotional grundsätzlich positiv. 

Das alleine sei entscheidend für die aufbauende Funktion im Gehirn, betonte Prof. Dr. Eckart Altenmüller (Hannover). Eindrucksvoll zeigte er auf, dass die aktive Beschäftigung mit Musik die Pflege messbar erleichtere, bei Menschen mit und ohne Beeinträchtigung die Gehirnfunktionen stärke, darüber hinaus die Beschäftigung mit Musik soziale und kulturelle Einbindung garantiere und grundsätzlich positiver Transfer zur Bewältigung des Alltags bedeute.

Fachpersonal im Bereich der Musikgeragogik ist aktuell noch wenig vorhanden. Brigitte Riskowski vom Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen (VBSM) erläuterte den Zertifikationskurs „Musik mit alten Menschen und intergeneratives Musizieren“, den der VBSM seit 2013 anbietet. 

Im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmer Gelegenheit zum Austausch. Zuvor dankte BMR-Präsident Dr. Thomas Goppel der Schirmherrin und Landtags-Präsidentin Barbara Stamm, dem Präsidenten des Bayerischen Bezirketags Josef Mederer, dem Landesvorsitzenden der Techniker Krankenkasse Bayern Christian Bredl und Wilfried Mück von der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege Bayern für die Unterstützung bei der Entwicklung und Durchführung der Informationsveranstaltung. Thomas Goppel: „Wir können nicht früh genug anfangen, das vorhandene Kreativpotential älterer Menschen zu nutzen, zugunsten des eigenen Wohlempfindens und zum Nutzen der ganzen Gesellschaft.“   

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