Identitäten | Chor in Bewegung

Jahreskonzert des Bayerischen Landesjugendchors

Werke von Füting (UA) | Brahms | Byrd | Gimon | Mahler/Gottwald | Pärt | Shaw | Tippett

Leitung Franziska Kuba | Choreographie Gabriel Galindez Cruz:

Sa, 12.09.26 | 20 Uhr Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf und 

So, 01.11.26 | 17 Uhr Großer Konzertsaal der Hochschule für Musik und Theater München

Zum Programm

Der Bayerische Landesjugendchor präsentiert sein diesjähriges Programm unter dem Titel „Identitäten — Chor in Bewegung“. Das überregionale Auswahlensemble, zusammengesetzt aus begabten Jugendlichen im Alter von 16 bis 27 Jahren, erarbeitet unter der neuen künstlerischen Leitung von Prof. Franziska Kuba damit schon das zweite gemeinsame Projekt. Nach einem eindrucksvollen Auftaktkonzert im letzten Jahr, kann die vielversprechende Zusammenarbeit vom BLJC mit Franziska Kuba an zwei Konzerten im September und November auf ein Neues erlebt werden.

Hierfür setzt Kuba, Professorin für Chorleitung an der Hochschule für Musik Detmold, innovative und damit ebenso mutige künstlerische Akzente. Diese beschränken sich keineswegs auf das rein Musikalische. Der Titel des Programms lässt bereits erahnen, dass es sich im Herbst kaum um ‚gewöhnliche‘ Chorkonzerte handeln wird. Die bereits bekannte musikalische Strahlkraft und Gestaltungsfähigkeit des Chores sollen in diesem Jahr durch eine weitere gestalterische Dimension ergänzt werden: Bewegung und Choreografie. Durch das Hinzuziehen eines derartigen neuen Ausdrucksmittels ergibt sich eine Fülle differenzierter künstlerischer Möglichkeiten. Der BLJC macht es sich unter der Anleitung von Franziska Kuba in diesem Jahr zur Aufgabe, sein musikalisches Können nicht bloß unter Beweis zu stellen. Es soll zusätzlich um Elemente von Bewegung, Visualität, Tanz und Improvisation erweitert werden.

Im Zuge dieses außergewöhnlichen Projekts freut sich der BLJC, mit dem kolumbianischen Choreographen und Tänzer Gabriel Galindez Cruz arbeiten zu dürfen. Im regen Austausch mit der künstlerischen Leitung entwirft Cruz den szenischen Aspekt des Programms und übernimmt darüber hinaus die choreographische Einstudierung mit dem Chor. An einigen Stellen wurde jedoch auch der Chor in den gestalterischen Prozess hinter den Bewegungsabläufen eingebunden: Entsprechend dem Leitthema „Identitäten“, wurden persönliche Impulse und individuelle Improvisationen aus dem Chor explizit gefordert, die sich auf reale Identitätsnarrative einzelner Chormitglieder beziehen. So wird die choreographische Ebene neben der musikalischen eine Projektionsfläche für Fragen zum Selbstverständnis.

Als künstlerisches Fundament eines solchen Projekts dient zunächst die Auswahl der Stücke. Bei einem weiten stilistischen Rahmen von Johannes Brahms bis Arvo Pärt und einem historischen, der sich von William Byrd bis zu einer Uraufführung von Reiko Füting erstreckt, wird das inhaltliche Konzept dennoch nie aus den Augen verloren. Es ist Franziska Kuba gelungen, das Thema „Identität“ aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und künstlerisch zu reflektieren. Dabei werden bspw. Fragen zu Heimat, Geschlecht, Herkunft und Vergänglichkeit thematisiert. Die musikalischen Fähigkeiten des Chores werden zu ihrem vollen Potential erschöpft, während sie durch die choreographischen Elemente keineswegs in den Hintergrund gerückt werden. Vielmehr ergänzen sie sich gegenseitig, sodass eine akustisch-visuelle Auseinandersetzung mit dem Leitthema auf unkonventionelle und dennoch zugängliche Weise dem Publikum erfahrbar gemacht werden kann. Dabei wurden von Franziska Kuba neben den oben genannten Namen weitere Stücke von Gustav Mahler, Caroline Shaw, Aurora Aksnes und Michael Tippet ausgelesen. Sie fügen sich in das Programm „Identitäten — Chor in Bewegung“ sowohl musikalisch als auch choreographisch auf je eigene Weise ein und berechtigen zur Vorfreude auf die Jahreskonzerte und das zweite gemeinsame Projekt von Franziska Kuba und dem BLJC.

Simon Gemkow

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